Aufgaben nur gemeinsam lösbar
Ein Jahr nach der beschlossenen Strukturreform zogen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren der Kreisstadt auf ihrer Jahreshauptversammlung ein erstes Fazit.
Hildburghausen - Bereits in der Woche zuvor hatten die Angehörigen der Kreisstadt-Wehr Bilanz ihrer im Jahr 2011 geleisteten Arbeit gezogen. Am Freitagabend saßen sie nun erneut beisammen, diesmal mit ihren Kameraden aus den Ortsteilen. Hatte Wehrführer Marcel Koch auf der ersten Zusammenkunft von der Belastung der Kameraden gesprochen, die mit mehr als 9000 erbrachten Stunden an die Leistungsgrenze der Aktiven stoße, standen diesmal vor allem die Auswirkungen der am 22. September 2010 vom Stadtrat Hildburghausen beschlossenen Strukturreform der (damals noch) neun Ortsteilwehren im Blickpunkt.
Strukturreform im Fokus
"Aus neun mach fünf, und später vier" könnte man diese Reform auf einen Punkt bringen. Nicht allein finanzielle Sparzwänge hatten dazu geführt. Vor allem bei den kleineren Ortsteilwehren war es immer schwieriger geworden, die Einsatzbereitschaft am Tage zu gewährleisten, wenn die Berufspendler nicht erreichbar sind. Ein Trend, der sich so schnell nicht ändern wird, waren sich damals alle einig. Und so war rasches Handeln zwingend notwendig, um Synergieeffekte zu erreichen, auch wenn nicht alle diesen Schritt mitgehen wollten.
"Die Feuerwehren Häselrieth, Wallrabs und Ebenhards wurden in die Freiwillige Feuerwehr Hildburghausen eingegliedert, gleichzeitig wurden die Wehren von Weitersroda und Bürden zusammengefasst", erinnerte Stadtbrandmeister Norbert Schönstein nochmals an die erste Stufe der Reform. "Gerhardtsgereuth, Leimrieth und Pfersdorf behielten ihre eigenständigen Wehren. Die Kameraden der eingegliederten Wehren wurden angeschrieben und mehrfach angesprochen, ihren Dienst in den Wehren Hildburghausen oder Weitersroda fortzusetzen." Doch leider folgten nicht alle diesem Wunsch.
Übergangs-Schwund
"Von den ehemals neunzehn Kameraden aus Häselrieth leisten seither dreizehn Kameraden ihren Dienst als Zug vier in der Wehr in Hildburghausen. Von den siebzehn Kameraden aus Wallrabs haben sich sieben Kameraden in Hildburghausen angemeldet. Von den elf Kameraden aus Ebenhards haben leider nur zwei den Weg in die Wehr nach Hildburghausen gefunden", bedauerte der Stadtbrandmeister. Und weiter: "Ähnlich sieht es in Bürden und Weitersroda aus. Trotz intensiver Gespräche und Werbung haben nur drei von siebzehn gemeldeten Feuerwehrleuten aus Bürden ihren Dienst in der nun gemeinsamen Wehr Weitersroda-Bürden fortgesetzt." Auf einem guten Weg befänden sich dagegen die Wehren von Leimrieth und Pfersdorf, die auch eine gemeinsame Zukunft haben sollen. Sie führen ihre Ausbildung und Übungen bereits gemeinsam durch. Dort hängt es noch an dem (Aus-)Bau eines Feuerwehrgerätehauses, um das neue Fahrzeug unterstellen zu können und den Kameraden bessere Einsatzbedingungen zu schaffen. Wenn das erfolgt ist, werden beide Wehren endgültig zusammengelegt.
Überzeugungsarbeit nötig
Bisheriges Fazit: Von den ehemals 64 gemeldeten Kameraden der aufgelösten Wehren haben lediglich 25 ihren Dienst weitergeführt. Dafür mag es unterschiedliche Gründe geben. Einer könnte sein, so mutmaßt die Wehrführung der Kreisstadt, dass in manchen Ortsteilen die Gegner der Auflösung ihrer Wehr noch das Sagen haben, die Kameraden nicht als "Abtrünnige" gelten wollen. Da sei noch viel Überzeugungsarbeit nötig, um an dieser Einstellung etwas zu ändern.
276 Mitglieder hatte die Kreisstadt-Wehr zum 31. Dezember 2011, davon 164 in der Einsatzabteilung (unter ihnen 26 Frauen). 69 Kameraden leisten in der Alters- und Ehrenabteilung noch gesellschaftliche Arbeit, 43 Jugendliche bereiten sich in der Jugendfeuerwehr auf ihren späteren Dienst in der aktiven Wehr vor. Zwar sei die Zahl der Einsätze in den letzten Jahren leicht gesunken - von 251 im Jahr 2007, 231 im Jahr 2008, 212 im Jahr 2009 und 219 im Jahr 2010 - doch liegt sie mit 197 im Jahr 2011 immer noch auf einem "recht hohen Niveau".
Strafgebühren zu niedrig?
Wieder wurden in der vorgelegten Statistik die 55 Fehlalarme kritisiert, die eine unnötige Mehrbelastung der Kameraden darstellen. Zwar hatte die Stadt die (Straf-)Gebühren dafür erhöht, wie Ordnungsamtsleiter Dietmar König ausführte, doch seien die neuen Sätze offenbar immer noch zu niedrig, sonst würden die Verursacher - es sind wohl fast immer die gleichen Institutionen - ihre Meldeanlagen besser warten, um Fehlalarme auszuschließen.
Gut aufgestellt scheint die Wehr in Gerhardtsgereuth zu sein, wie dem Bericht von Wehrführer Silvio Peters zu entnehmen ist. Mit einem Altersdurchschnitt von 26 Jahren können die 21 Aktiven beruhigt in die Zukunft schauen. Von ihrer - inzwischen gemeinsamen - Arbeit berichteten auch die Wehrführer aus Leimrieth und Pfersdorf. Sechs Frauen und 16 Männer leisten in Leimrieth ihren Dienst, in Pfersdorf sind es 25 Aktive. "Wir haben den ersten Schritt getan, arbeiten bereits eng zusammen", sagte der Leimriether Wehrführer Matthias Krebs, "jetzt ist die Stadt an der Reihe, ihres zu tun." Womit er auf das geplante Gerätehaus anspielte. Doch auch andere Kritikpunkte gab es. So besitze kein einziger Kamerad einen Funkmeldeempfänger, weshalb so mancher auch mal einen Einsatz verpasse, weil er einfach nicht erreichbar ist. Holger Schmidt, der Wehrführer der - wenigstens dem Namen nach - gemeinsamen Wehr Weitersroda-Bürden, vermeldete voller Stolz die Inbetriebnahme eines nagelneuen Löschfahrzeuges, dem ersten in ihrer Vereinsgeschichte. Dass so wenige Bürdener Kameraden bereit seien, in der gemeinsamen Wehr mitzuarbeiten, sei jedoch mehr als bedauerlich..
Keine Löschwasserreserve
Problematisch sei vor allem auch die Löschwasserversorgung im Ort. Wenn der Teich in Bürden abgelassen wird - oft geschehe das ohne Meldung an die Feuerwehr - stehe der Ort ohne Löschwasserreserve da. Hier müsse dringend etwas geschehen.
"Wir wissen, was wir an Ihnen haben", mit diesen Worten bedankte sich Holger Obst, der an diesem Abend Bürgermeister Steffen Harzer vertrat, bei den Kameraden. An mangelnder Wertschätzung liege es nicht, wenn die Stadt manche noch so berechtigten Wünsche der Kameraden ablehnen müsse. Die Kluft zwischen Wollen und Können werde bei den immer geringer werdenden Mitteln größer. Den Dank des Landratsamtes überbrachte der Abteilungsleiter für Brand- und Katastrophenschutz Michael Friedel. Vor allem lobte er die Bereitschaft der Kameraden der Kreisstadt-Wehr, neben ihrer ureigensten Arbeit auch Aufgaben im Brand- und Katastrophenschutz sowie im Gefahrgutzug des Landkreises zu übernehmen.
"Trotz aller Bedenken, die es vor einem Jahr gab - glaubt mir, der von Euch eingeschlagene Weg ist richtig!", bestätigte ihnen Kreisbrandmeister Falk Stickel.
Schornsteinbrand
Das Leben selbst schreibt oft die beeindruckendsten Drehbücher. Als die Kameraden reichlich zwei Stunden beraten hatten und Stadtbrandmeister Norbert Schönstein zum gemütlichen Teil überleiten und alle im Namen der Stadt zu einem "Feierabendbier" einladen wollte, schlugen die "Piepser" der Kameraden an. Sie wurden zu einem Schornsteinbrand in der Stadt gerufen. Als ob es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Kameraden oft auf Privates verzichten müssen.
Wer jedoch in stockdunkler Nacht, und das bei achtzehn Grad Minus (!), mit Wasser hantieren und eine Wasserversorgung zum Brandherd aufbauen muss, der verdient nicht nur Hochachtung, der hat auch Anspruch auf eine Schutzbekleidung, die ihrem Namen gerecht wird und ihn bei seinem oft gefährlichen Einsatz bestmöglichst schützt. Die Wünsche oder Forderungen nach besserer Ausrüstung, die die Kameraden in der Diskussion aufgemacht hatten, scheinen mehr als berechtigt.
aktualisiert von Holger Nehls, 06.02.2012, 11:27 Uhr |