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08.12.2011, 00:00 Uhr | Freies Wort - Ressort Hildburghausen Lokal - Von Waltraud Nagel Übersicht | Drucken
Die Not mit der dringenden Notdurft

Eines dringenden Problems haben sich die Stadtratsfraktionen der CDU und der Bürgerunion angenommen. Es geht um die öffentliche Toilette am Bahnhof und Busbahnhof.


Hildburghausen - Wer mit Bus oder Zug am Bahnhof in Hildburghausen ankommt, ist gut beraten, große oder kleinere Geschäfte noch am Abfahrtsort erledigt zu haben. Denn wer hier in der Kreisstadt eine Toilette braucht, muss es mindestens noch bis zum Rathaus auf dem Marktplatz schaffen. Und nicht alle können ihre "Bedürfnisse" so lange zurückhalten. Geschäfte, Arztpraxen, Gaststätten, ja sogar die Kreissparkasse, die entlang des Weges zur Innenstadt liegen, kennen das Problem. In höchster Not bitten Bus- und Bahnreisende hier, die Toilette benutzen zu dürfen. Besonders schlimm trifft es den Alta-Shop, der unmittelbar neben dem Bahnhof liegt. "Täglich kommen Leute zu uns rein und suchen nur dringend eine Toilette", bestätigt eine Mitarbeiterin gegenüber Freies Wort. Im Notfall wird freilich gern geholfen, aber was zu viel ist, ist zu viel. "Da müssten doch eigentlich Bus- oder Bahngesellschaft dafür sorgen, dass ihre Passagiere auch eine Toilette zur Verfügung haben", meinte die Frau.

Brigitte Wütscher, die Chefin der CDU-Fraktion, und ihre Amtskollege Siegmund Gutberlet von der Hildburghäuser Bürgerunion, sehen hier aber auch die Verantwortung der Stadt. Mit einem Beschlussantrag, den sie für die Stadtratssitzung am 21. Dezember eingereicht haben, wolle sie das Thema noch in diesem Jahr auf die Tagesordnung bringen. "Der Stadtrat muss an Bahnhof und Busbahnhof eine öffentliche Toilette zur Verfügung stellen", sind sich die beiden Stadträte und ihre Fraktionen einig. Auf Grund der prekären Haushaltssituation müsse das natürlich mit geringstmöglichem finanziellen Aufwand geschehen. Es wird vorgeschlagen, Angebote einzuholen, mit welchem Aufwand die bereits im Zuge des Busbahnhof-Baus mit vorgesehenen Toiletten in Betrieb genommen werden können. Auch die Möglichkeit eines Dixi-Klos könne als Not-Variante in Betracht gezogen werden, so Wütscher.

Man solle die Leute nicht dazu zwingen, "in Gottes freier Bahnhofs-Natur" ihre Notdurft zu verrichten, so Wütscher. "Die Kreisstadt sollte schon darauf achten, welchen ersten Eindruck Touristen und Gäste bei der Ankunft mit Bus und Bahn von ihr bekommen. So, wie wir uns in diesem Punkt derzeit präsentieren, laden wir nicht gerade zum Wiederkommen ein."

Siegmund Gutberlet sieht das genauso. "Das ist ein peinliches Thema, doch für die Leute, die dringend eine öffentliche Toilette suchen und keine finden, ist das noch peinlicher. Daher müssen wir im Stadtrat über das Thema reden." Laut Gutberlet sollte die Toilettenbenutzung auch nicht zum Nulltarif sein. "Wer wirklich ein dringendes Bedürfnis hat, zahlt gerne 50 Cent", ist sich Gutberlet sicher.

Freies Wort fragte Bürgermeister Steffen Harzer nach den eigentlich "einsatzbereiten" Toiletten am Busbahnhof, die allerdings noch nie in Betrieb waren. "Ursprünglich sollte die Linienverkehrskooperation die öffentlichen Toiletten übernehmen", so das Stadtoberhaupt. Die habe das aber abgelehnt, wegen des hohen Aufwandes. Aber da die LVK nun ohnehin nicht mehr im Geschäft sei, wolle er im kommenden Jahr mit den Veolia-Vertretern vor Ort reden. Vielleicht hätten die Interesse. Dass die Stadt die Verantwortung über die Toilette übernehmen könne, schloss Harzer gegenüber Freies Wort aus. Der Aufwand sei zu hoch.

Bleibt nun abzuwarten, welche Dringlichkeit der Stadtrat der Befriedigung elementarer menschlicher Bedürfnisse zumisst.



aktualisiert von Holger Nehls, 08.12.2011, 10:51 Uhr

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