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18.06.2010, 00:00 Uhr | Freies Wort - Ressort Hildburghausen Lokal - Von Waltraud Nagel Übersicht | Drucken
Bauausschuss
Im Neuen das Alte erhalten


Auf der Suche nach Kompromiss mit dem Denkmalschutz am Bachplatz


Hildburghausen - Im Spannungsfeld zwischen Denkmalschutz und Stadtentwicklung steht die geplante Wiederbebauung des Bachplatzes in Hildburghausen. Wo einst das herzogliche Residenzschloss stand, soll künftig ein Einkaufszentrum als Magnet für die Stadt entstehen. Über viele Jahre wird schon um eine Gestaltung des Platzes gerungen, der derzeit als kaum befestigter Parkplatz eine wenig attraktive Verbindung vom Marktplatz zum Schlosspark darstellt.

Wie Jürgen Brückner, der Sanierungsberater der Stadt, ín dieser Woche im Bauausschuss informierte, liegt inzwischen eine Stellungnahme der Landesamtes für Denkmalpflege zu einer Neubebauung des Platzes vor. Es werde natürlich darauf gedrängt, die wenigen noch vorhandenen historischen Zeugnisse des Schlosses zu erhalten.

Erschwernisse zu erwarten

So gebe es Bedenken, gegen die geplante "Absenkung" des sogenannten Altans. Wobei es sich dabei nicht mal um einen Altan im eigentlichen Sinne handele. Danach ist ein Altan eine offene, auf Stützen oder Mauern ruhende Plattform in einem Obergeschoss eines Gebäudes. Im Zusammenhang mit dem Hildburghäuser Schloss handelt es sich lediglich um eine Art Erdwall, von wo man allerdings einen direkten schönen Blick zum Schlosspark und Luisendenkmal hat. Möglicherweise findet sich unter dem Wall auch noch eine Grotte. Was davon übrig ist, werden sicher baubegleitende Grabungen ans Licht bringen.

Auch die noch vorhandenen Kellergewölbe sieht das Landesamt für Denkmalpflege als dringend erhaltenswert an. "Am wichtigsten ist den Fachleuten jedoch der Eckstein", hob Brückner hervor. Gemeint ist ein Schluss- oder Wappenstein in der Schlossmauer Ecke Luisenblick/Zetkin-Straße.

Stadträtin Brigitte Wütscher (CDU) fragte, ob an den Auflagen des Denkmalschutzes möglicherweise das ganze Projekt scheitern könne. "Es kann zu Erschwernissen kommen", schätzte Brückner klar ein. "Aber die Leute von der Denkmalpflege wollen sich der Stadtentwicklung auch nicht stur in den Weg stellen." Frank Michael Czapla (Freie Wähler) hatte schon in früheren Diskussionen hervorgehoben, dass seine Fraktion für den Erhalt zum Beispiel der Kellergewölbe eintrete, soweit das irgend möglich sei. "Wir wollen nichts verhindern", betonte er. "Aber es ist gut, dass wir jetzt darüber reden."

Stadtbaumeister Olaf Schulz ist sich sicher, dass es Erschwernisse für den Investor geben wird. Das sei bei solchen Projekten immer so. Allein die nötigen baugegleitenden Grabungen kosteten Zeit und Geld. "Und es ist mit Sicherheit mit Bodenfunden zu rechnen", so Schulz. Jedoch erst, wenn etwas gefunden sei, könne man entscheiden, ob es erhaltenswert ist oder nicht. "Die Grenzlinie zum Scheitern ist gegeben", sagte Schulz realistisch, fügte aber auch an: "Wir haben in Hildburghausen wirklich schon viele historische Gebäude mit viel Aufwand saniert. Erinnert sei an die Christuskirche, die Bürgerschule, das Rathaus oder die Alte Post. Für die Entwicklung der Innenstadt ist es aber auch wichtig, einen modernen Magneten zu schaffen, der Leben in die Stadt bringt." Und das verspreche er sich von dem geplanten Einkaufszentrum. Bauausschussvorsitzender Mathias Günther (Linkspartei) erklärte sinngemäß, Denkmalschutz könne nicht das Maß aller Dinge sein. "Wenn es allein nach den Wünschen der Denkmalpflege ginge, würde das Theater heute nicht stehen. Dann hätten wir es nämlich auf dem original Sandsteinfundament errichten müssen und das hätte den Bau niemals getragen."

Nach Kompromissen suchen

Und Luisenblick und Altan seien derzeit nichts anderes als ein schlechter Parkplatz. Da könne man sich nur verbessern, auch wenn der Altan teilweise abgetragen werde. Jürgen Brückner geht davon aus, dass die Kellergewölbe nicht zu halten sind. Hier sei keine wirtschaftliche Nutzung möglich und der Investor brauche die Flächen als Parkdeck für den Supermarkt. Investor Lickert sei über die Probleme informiert, so Brückner. Zu gegebener Zeit seien mit der Denkmalschutzbehörde Gespräche zu führen, wie die unterschiedlichen Interessen berücksichtigt werden können. Der Bachplatz steht auch am Mittwoch im Stadtrat auf der Tagesordnung.



aktualisiert von Holger Nehls, 25.06.2010, 15:26 Uhr

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