Stadtrat Aus für Kulturhaus-Umbau
In Pfersdorf wird nun doch kein Dorfgemeinschaftshaus errichtet.
Hildburghausen - Was lange währt, wird manchmal am Ende doch nicht gut. Im Falle der Pläne zum Umbau des ehemaligen Pfersdorfer Kulturhauses zu einem Dorfgemeinschaftshaus ist das jetzt beispielsweise so. Der Stadtrat von Hildburghausen hat in seiner Sitzung am Mittwochabend die Einstellung des Projektes mit 17 Ja-, einer Gegenstimme und drei Enthaltungen beschlossen.
Das Vorhaben ist wegen der angezogenen Baupreise zu unwirtschaftlich geworden, heißt es zur Begründung. In der Hauptausschuss-Sitzung am 27. Januar hatte man noch um den Umbau gekämpft, allerdings seien die voraussichtlichen Kosten für die Baumaßnahme auf 1,2 Millionen Euro angestiegen. Geplant waren zuletzt 875 000 Euro.
So blieb denn auch dem Pfersdorfer Ortsteilbürgermeister Herbert Geißenhöner am Mittwochabend in der Ratssitzung nicht mehr, als die Entscheidung schweren Herzens zu akzeptieren: "Ich nehm's so hin, auch wenn das für die Pfersdorfer eine große Enttäuschung ist." Gleichwohl hegt Geißenhöner weiter eine leise Hoffnung: "Wir sollten jetzt eine Variante finden, die so gut wie nötig und nicht mehr so gut wie möglich ist." Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Ralf Bumann setzte nach dem Beschluss auf das Prinzip Hoffnung: "Dieses Projekt ist gestorben, nicht aber das Dorfgemeinschaftshaus." Brigitte Wütscher von der CDU-Fraktion gab sich ebenfalls kämpferisch: "Wir sollten etwas in einer abgespeckten Version probieren."
Doch zunächst einmal das Aus, begleitet von einem echten Wermutstropfen. Denn für den Kulturhaus-Umbau lagen Fördermittelzusagen über rund 410 000 Euro aus den Töpfen "Dorferneuerung" und "Revitalisierung" vor. Jetzt gehen diese verloren. Knapp 25 000 Euro bereits gezahlte Fördermittel müssen zurück überwiesen werden. Insgesamt muss Hildburghausen damit Planungskosten von rund 100 000 Euro abschreiben.
"Sparsame Haushaltsführung"
Verlorenes Geld also, dass nicht nur Bürgermeister Steffen Harzer (Linke) schmerzt. Auch der Fraktionschef der freien Wähler, Frank-Michael Czapla, monierte, dass man jetzt die Planungskosten "in den Wind schreiben" könne. Harzer betonte dennoch, dass die Entscheidung gegen den Umbau als "sparsame Haushaltsführung" zu werten sei, weil man sich noch rechtzeitig eingestanden habe, dass das Projekt nicht zu packen sei. "Alle Mehrkosten hätte die Stadt Hildburghausen zu 100 Prozent tragen müssen, weil die Fördersumme gedeckelt war." Will heißen: Mehr als die avisierten 410 000 Euro hätte es keinesfalls gegeben, auch nicht bei Gesamtkosten von 1,2 Millionen Euro oder mehr.
Ob und wie es nun weitergehen könnte in Pfersdorf, ist ungewiss. Toralf Müller, Chef der Agrargenossenschaft Pfersdorf, die Eigentümer des ehemaligen Kulturhauses ist und dort nach dem Umbau eigentlich mit ihrer Verwaltung einziehen wollte, hält im schlimmsten Falle auch einen Komplettabriss für möglich. Im besten Fall kann aber auch er sich einen neuen Anlauf und ein kleineres Projekt vorstellen. Dies hänge nun von der Stadt Hildburghausen ab, was die in Pfersdorf wolle, sagte Müller gestern auf Anfrage. Einen Verkauf des Kulturhauses an die Kommune zu einem moderaten Preis, damit diese dort nach einem Abriss ein - wesentlich kostengünstigeres - Dorfgemeinschaftshaus errichten könne, schloss Müller zumindest nicht aus. Auch, dass sich dort die Agrargenossenschaft anschließend mit ihrer Verwaltung einmiete, sei durchaus denkbar.
Nur in der jetzigen Größe sei das Kulturhaus nicht erhaltenswert, allein der große Saal biete Platz für 500 Gäste. Viel zu groß für Pfersdorf, wie Müller betonte. Und so sei die Entscheidung des Stadtrates letztendlich richtig gewesen, den Umbau abzublasen. Nicht nur der explodierenden Kosten wegen. Schließlich waren auch andere Voraussetzungen nicht mehr gegeben. So seien mehrere Vereine, die zunächst mit ins geplante Dorfgemeinschaftshaus einziehen wollten, nach und nach abgesprungen.
Und jetzt wird wohl auch die Pfersdorfer Feuerwehr nicht mehr am Ort das dringend benötigte Feuerwehrgerätehaus bekommen. In Leimrieth soll jetzt der Stützpunkt der Feuerwehr Leimrieth/Pfersdorf entstehen, wie Bürgermeister Harzer in der Stadtratssitzung mitteilte.
aktualisiert von Holger Nehls, 31.05.2010, 11:33 Uhr |